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Soziale Risiken, Marktregulierung und der japanische Wohlfahrtsstaat

In der Literatur werden Wohlfahrtsstaaten typischerweise anhand der Höhe staatlicher Ausgaben für soziale Zwecke unterschieden. Sozialpolitik wird dabei oft gleichgesetzt mit dem, was der Staat direkt an Mitteln für sozialpolitische Maßnahmen aufwendet. Vernachlässigt werden dabei aber jene Bereiche, in denen staatliche, betriebliche und private Risikovorsorge zusammentreffen und staatliche Politik nicht primär in der Organisation und Bereitstellung von Mitteln besteht, sondern in der Regulierung von Märkten, die eine Absicherung gegen soziale Risiken ermöglichen sollen. Aus der Sicht des Staates müssen diese Märkte einerseits fundamentale sozialpolitische Zielsetzungen erfüllen, wie etwa eine angemessene und sichere Altersvorsorge oder bezahlbaren Wohnraum, aber zugleich Alternative oder Ergänzung bzw. Ersatz sein für staatliche Programme.

Marktregulierung als Form von Sozialpolitik ist zwar keine neue Entwicklung, hat aber durch eine lange Reihe marktorientierter Strukturreformen in den letzten Jahren in vielen entwickelten Demokratien an Bedeutung gewonnen. Japan ist dabei von besonderem Interesse, da hier formale wie informelle regulative Eingriffe, funktionale Äquivalente in der Sozialpolitik (z.B. staatliche Ausgabenprogramme mit dem Ziel Beschäftigung in einem Sektor zu sichern) und das Zusammenspiel von betrieblichen, staatlichen und privaten Institutionen schon seit langem einen vergleichsweise wichtigen Beitrag zur sozialen Absicherung leisten. Trotzdem wurden diese Besonderheiten in der Literatur bislang wenig thematisiert. Das Projekt analysiert wie die politischen Interessen verschiedener Stakeholder in diesen sich stark verändernden „Wohlfahrtsmärkten“ vertreten werden und welchen Einfluss veränderte politische, wirtschaftliche und demographische Rahmenbedingungen auf die Marktregulierung haben. Ziel ist es, zum besseren Verständnis japanischer Sozialpolitik und der Ausgestaltung und Funktionsweise des japanischen Wohlfahrtsstaates beizutragen und die Forschung zu den Auswirkungen neuer Formen der Sozialpolitik in entwickelten Demokratien zu erweitern.

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