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Fach- und Führungskräfte im Auslandseinsatz: Auswahl, Vorbereitung, Betreuung und Reintegration am Beispiel Japans

Die Auslandsentsendung von Fach- und Führungskräften zählt zum Alltag international tätiger Unternehmen und Institutionen, mit der vielfältige Ziele verfolgt werden. Sie ist integraler Bestandteil der Internationalisierungsstrategie und eingebettet in das Spannungsfeld von lokaler Anpassung und globaler Standardisierung. Die Umsetzung der Arbeitsaufgabe im Ausland erfordert es von den Entsandten soziale Beziehungen zu den Mitgliedern der Gastkultur aufzunehmen, aufrechtzuerhalten und in einer beiderseits befriedigenden Form zu gestalten. Allzu häufig scheitert dies jedoch, da es den Entsandten nicht gelingt, sich zur Zufriedenheit den fremdartigen Arbeits- und Lebensverhältnissen des Gastlandes anzupassen. Die stärkste Unzufriedenheit äußern Mitarbeiter, die in Ländern weilen, deren Kulturen sie als sehr fremdartig beurteilen. Besonders in Japan bleiben aufgrund der schwierigen beruflichen und sozialen Eingliederung viele Entsandte hinter den Erwartungen des deutschen Stammhauses zurück.
Angesichts der häufig genannten Anpassungsprobleme und der vergleichsweise hohen Abbrecherrate wundert es, warum die zu erwartenden Schwierigkeiten nicht schon bei der Auswahl von Fach- und Führungskräften für den Japaneinsatz systematisch berücksichtigt werden. Zudem werden vielfach die Entsandten selbst, ihre Beweggründe, Bedürfnisse und Probleme während der Zeit im Ausland im Stammhaus nur unvollständig wahrgenommen. Der Partner des Entsandten ist bei der Bewältigung der Eingewöhnungsschwierigkeiten im Ausland weitgehend auf sich allein gestellt. Letztendlich zeugen auch die Programme der Unternehmen zur Wiedereingliederung zurückkehrender Mitarbeiter von der vielfach vorhandenen Geringachtung des Auslandeinsatzes.
Die Defizite der Auslandsentsendung leiten sich aus dem – leider falschen – Alltagsverständnis ab, nach dem ein Mitarbeiter, der seine Arbeitsaufgabe in der gewohnten Umgebung im Stammhaus mit Erfolg bewältigt, zwangsläufig auch unter völlig veränderten Umweltbedingungen im Ausland erfolgreich sein wird. Seine Rückkehr wird nur als „Heimkehr“ in eine altvertraute Umgebung gedeutet und somit als unproblematisch beurteilt.
In der Forschung wählt Harald Dolles den Ansatz, das Phänomen der Auslandsentsendung in Phasen detailliert aus dem Blickwinkel von Entsendern und Entsandten sowie deren Familienangehörigen zu analysieren, um daraus Risiken bisheriger Praxiskonzepte abzuschätzen und Gestaltungsempfehlungen geben zu können. Mittels narrativer und leitfadengestützter Interviews will er dabei u.a. folgenden Fragen für die praktische Gestaltung der Auslandsentsendung nachgehen:

  1. Welche Ziele werden durch den Mitarbeiter und durch das Unternehmen mit dem Auslandsaufenthalt verfolgt? Welche Qualifikationen benötigen die Entsendungskandidaten unter den spezifischen Einsatzbedingungen? Welche Erfolgskriterien sind für den Einsatz aussagefähig?

  2. Welche Auswahlinstrumente finden für den Auslandseinsatz Verwendung?

  3. Welche Vorbereitungsmaßnahmen werden eingesetzt, um den Mitarbeiter und seine Familie auf effektives interkulturelles Handeln in kulturellen Überschneidungssituationen vorzubereiten?

  4. Auf welche fachlichen, administrativen und psychologischen Informationen und Unterstützungshandlungen kann der Entsandte und seine Familie während des Auslandsaufenthaltes bauen? Auf welche inneren Ressourcen greift der Entsandte zurück, um die Schwierigkeiten des Auslandsaufenthaltes „in den Griff“ zu bekommen?

  5. Welche Maßnahmen werden zur Eingewöhnung nach der Rückkehr im privaten und im beruflichen Bereich vorgenommen und wie werden die Auslandserfahrungen im Unternehmen genutzt?

Mitarbeiter/-innen (DIJ)

Ehemalige Mitarbeiter (DIJ)

Artikel

(1993)
[ Dolles, Harald]
Interkulturelles Management und Geschichten um das Sitzen. In: Peter Ackermann (Hg.) Japan: Selbstbild - Fremd­bild. Zürich: Offizin Verlag. S. 57-63.

Sonstige

Artikel

(2005)
[ Dolles, Harald; Morlok, Eva]
Die Auslandsentsendung aus der Sicht der mitreisenden Familie. Teil 2: Verbesserungswünsche und Empfehlungen . In: Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (Hg.) Japan Markt, Februar 2005 (Wissenschaft und Praxis). Tokyo: Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan. S. 22-25.

(2005)
[ Dolles, Harald; Morlok, Eva]
Die Auslandsentsendung aus der Sicht der mitreisenden Familie. Teil 1: Umzug nach Japan . In: Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (Hg.) Japan Markt, Januar 2005 (Wissenschaft und Praxis). Tokyo: Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan. S. 22-25.

(2003)
[ Dolles, Harald]
Personalerhaltungsmaßnahmen im Niederlassungsmanagement: Die Entgeltgestaltung als zentrale Größe . In: Japan Markt, Dezember 2003 (Wissenschaft und Praxis). Tōkyō: Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan. S. 17-19.

(2002)
[ Dolles, Harald]
Die Qual der Wahl – Personalauswahl für den Einsatz in Japan . In: Japan Markt, April 2002 (Wissenschaft und Praxis). Tōkyō: Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan. S.13-15.

(2001)
[ Dolles, Harald]
„Crisis“ oder „Honeymoon“? Die entscheidenden ersten Wochen der Auslandsent­sen­dung . In: Japan Markt, Dezember 2001 (Wissenschaft und Praxis). Tōkyō: Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan. S. 17-23.

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