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Anders glücklich? Normabweichung und Glück in Japan

Das alte Sprichwort vom herausstehenden Nagel, der eingeschlagen wird, prägt bis heute das klassische Bild von Japan als prototypisch kollektivistisch orientierte Harmonie- und Homogeniegesellschaft. Wer dort anders ist oder denkt, passt sich demzufolge entweder an, oder riskiert erhebliche Sanktionen durch sein soziales Umfeld.

Aus der Perspektive des Betroffenen sind indes beide Optionen (erzwungene Konformität oder soziale Isolation) mit negativen Konsequenzen assoziiert; und so wäre anzunehmen, dass insbesondere in Japan Personen, die stark vom gesellschaftlichen Standard abweichen, mit Einbußen an Lebensqualität rechnen müssen.

Neuere Studien lassen indes erhebliche Zweifel aufkommen, ob die Grundannahme einer derartig kollektivistischen Orientierung tatsächlich für die gesamte japanische Gesellschaft gerechtfertigt ist. Wahrscheinlicher ist, dass das Konfliktpotenzial abweichender Ansichten, Verhaltensweisen und Werte – wie auch in anderen Ländern – erst mit dem Übertritt ins Berufsleben, also zwischen frühem und mittlerem Erwachsenenalter, wirklich deutlich zu Tage tritt. Demnach würde auch in Japan „herausstehenden Nägeln“ bis zu einem gewissen Alter weitgehende Nachsicht entgegengebracht, um sie nach Ende dieser Toleranzphase mit umso weitreichenderen Anpassungsforderungen zu konfrontieren.

Die vorliegende Studie an der Schnittstelle zwischen Soziologie und Kulturpsychologie konkretisiert die bestehende Wissenslücke in folgenden zwei Forschungsfragen:

  1. Wie wirkt sich die individuelle Abweichung von der landesspezifischen Norm für Persönlichkeitseigenschaften und Werte auf die Selbsteinschätzungen von Lebenszufriedenheit, Glück, Stress und psychosomatischer Gesundheit durch Teilnehmer in Deutschland, Japan und den USA aus?
  2. Gibt es empirische Belege für eine Zunahme der Stärke des Zusammenhangs am Übergang zwischen dem frühen und mittleren Erwachsenenalter, der in Japan stärker ausgeprägt ist als in den beiden anderen Ländern?

Erklärtes Ziel des Projekts ist es, durch die Beantwortung dieser Fragen einen empirischen Beitrag zu unserem Wissen über die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Glück, aber auch zur Verankerung der japanischen Gegenwartsgesellschaft auf der Kollektivismus- / Individualismusdimension zu leisten.

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