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Wettbewerbsdeterminanten

Im ersten Abschnitt dieses Forschungsprojekts wurde die Rolle der Wettbewerbspolitik untersucht. Noch unter alliierter Besatzung erhielt Japan eine umfassende Wettbewerbsgesetzgebung. Allerdings wurden in der Hochwachstumsphase zahlreiche Ausnahmen zum Kartellverbot geschaffen. Die Bedeutung der japanischen Antikartell- und Antikonzentrationspolitik muß daher als bescheiden eingestuft werden. Hieraus den Schluß zu ziehen, Japan sei mit Kartellen überzogen und durch Monopole beherrscht, ist falsch. Das Land erwies sich nicht nur in der sogenannten Hochwachstumsphase (1955 bis 1973), sondern auch für den Zeitraum danach (1973 bis 1992) im internationalen Vergleich als anpassungsfähig und dynamisch.

Die Ergebnisse warfen die Frage auf, welche anderen strukturellen, systemimmanenten oder politischen Faktoren für die in der Wandlungsfähigkeit der Industriestruktur zum Ausdruck kommende Wettbewerbsintensität der japanischen Wirtschaft ausschlaggebend waren. Diese Fragestellung wurde in einem zweiten Abschnitt angegangen. Der Schwerpunkt lag auf der Analyse des Zusammenspiels zwischen Struktur- und Funktionsmerkmalen der Arbeitsmarktorganisation bzw. des Ausbildungs- und Beschäftigungssystems auf der einen sowie der Industrieorganisation auf der anderen Seite. Diese wurden in den historischen Kontext des späten Industrialisierungs- bzw. Aufholprozesses Japans gestellt. Die Ergebnisse lassen sich in den folgenden Thesen zusammenfassen:

1) Die Wandlungsfähigkeit des japanischen Wirtschaftssystems wurde wesentlich durch die Organisation des Ausbildungs- und Beschäftigungssystems bestimmt (unternehmensspezifische Ausbildung, unternehmensinterne Arbeitsmärkte). Die mikroökonomische Wettbewerbstheorie, die sich auf die Organisation von Produktmärkten als wesentlicher Wettbewerbsdeterminante beschränkt,wird daher der japanischen Erfahrung nicht gerecht.

2) Das japanische Ausbildungs- und Beschäftigungssystem bildete sich erst im Industrialisierungsprozeß heraus. Seine Struktur- und Funktionsmerkmale können aus dem relativ späten und raschen Aufholprozeß der japanischen Volkswirtschaft plausibel gemacht werden.

3) Die Merkmale des Ausbildungs- und Beschäftigungssystems prägten auch nach dem erfolgreichen Aufholprozeß die japanische Wirtschaftsentwicklung. Sie erwiesen sich als Vorteil bei der Bewältigung der strukturellen Anpassungsprobleme in der Folge der beiden Ölkrisen und bei der Umstellung der Produktionsstruktur auf technologieintensive Bereiche.

4) Das System geriet unter Druck, als sich die Rahmenbedingungen, unter denen es entstanden war und funktioniert hatte, wandelten: niedrigere Wachstumsraten, Veränderungen des Altersaufbaus der Bevölkerung sowie neue technologische Regime.

Mitarbeiter/-innen (DIJ)

Publikationen

(1999)
Waldenberger, Franz: Organisation und Evolution arbeitsteiliger Systeme - Erfahrungen aus der japanischen Wirtschaftsentwicklung.
München: iudicium Verlag. 226 S., geb.

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