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Asiatische Selbstbehauptungsdiskurse

Das Projekt Asiatische Selbstbehauptungsdiskurse thematisiert Aspekte der Identitätsfindung in Ostasien, wobei sich sowohl gemeinsame Frontlinien gegenüber dem „Westen“ als auch Abgrenzungsbewegungen innerhalb der Region ausmachen lassen. Selbstbehauptungsdiskurse artikulieren sich in unterschiedlichsten Formationen. Selbst-Orientalisierung, Anciennitätsthesen als typische kulturnationalistische Argumentationsmuster, intellektuelle Landkarten von Orient und Okzident als Basis der Selbstabgrenzung und die Rolle der Intellektuellen als Meinungsführer bilden einige Themen im Rahmen dieser Erkundungen, die Kultur- und Disziplingrenzen transzendieren.

Der Begriff Selbstbehauptung wird im Deutschen zum Teil synonym benutzt mit „Selbstverteidigung“, „Durchsetzungskraft“, „Selbstvertrauen“ und verwandten Begriffen. Intertextualität und Kontextualität erschweren eine eindeutige und für jeden Fall zutreffende Übersetzung ins Chinesische (ziwo zhuzhang), ins Englische (self-assertion), ins Japanische (jiko shuchō) oder ins Koreanische (tschagi tschudchang bzw. jagi jujang). Signifikante Kollokationen für den deutschen Begriff der „Selbstbehauptung“ sind unter anderem die Begriffe „Nation“, „Staat“, „Gewalt“, „Abendland“, „Eroberung“, „Anpassung“, „Unterwerfung“, „Neutralität“, „Ringen“, „Freiheit“, „Zwang“ und „Weltordnung“ (www.wortschatz.uni-leipzig.de). Der Terminus „Selbstbehauptung“ besitzt also eine Reihe von janusköpfigen Konnotationen und Kollokationen, und sein Begriffsumfang kann durchaus mit den Wortpaaren Defensive/Offensive sowie Reaktion/Aktion charakterisiert werden.

Den Diskurs-Begriff haben Ernesto Laclau und Chantal Mouffe folgendermaßen bestimmt: "We will call articulation any practice establishing a relation among elements such that their identity is modified as a result of the articulation practice. The structured totality resulting from the articulatory practice, we will call discourse. A discursive formation is not unified either in the logical coherence of its elements, or in the a priori of a transcendental subject, or in a meaning-living subject à la Husserl, or in the unity of an experience."

Selbstbehauptungsdiskurse werden weltweit geführt und kommen aufgrund ihres universalen Charakters stets nur zu einem vorläufigen Endpunkt. Das gilt nicht nur für japanische oder asiatische Selbstbehauptungsdiskurse, sondern auch für deutsche oder europäische, wie zum Beispiel das im Jahr 2000 von Altbundeskanzler Helmut Schmidt vorgelegte Buch Die Selbstbehauptung Europas. Perspektiven für das 21. Jahrhundert zeigt. Als Abstraktion gefaßt liegt Selbstbehauptung und somit eventuell auch Selbstbehauptungsdiskursen nach der Definition von Laclau/Mouffe in der Konsequenz eine virtuell feindliche oder zumindest als feindlich wahrgenommene Umwelt zugrunde, in der einem Selbst eine mit Wille und Bewußtsein ausgestattete Entität als Agens in störender Weise gegenübertritt. Die Mehrzahl der Selbstbehauptungsdiskurse wird national oder aus nationaler Perspektive geführt und kommt in der Regel mehr oder weniger rasch zu nationalistischen Übergängen, deren ideologisches Kaliber graduell zwischen Patriotismus und Ultranationalismus anzusiedeln ist.

Zum Thema Asiatische Selbstbehauptungsdiskurse haben Wissenschaftler aus Deutschland, Japan, Korea und China drei Symposien veranstaltet: am DIJ in Tokyo (30.11.–02.12.2000), in Seoul (14.11.–17.11.2001) und an der Universität Erlangen-Nürnberg (12.–14.12.2002). Die Beiträge  der ersten beiden Tagungen wurden 2003 unter dem Titel Selbstbehauptungsdiskurse in Asien: China – Japan – Korea bei dem Münchner Verlag Iudicium veröffentlicht.

Mitarbeiter/-innen (DIJ)

Ehemalige Mitarbeiter (DIJ)

Artikel

(2004)
[ Ducke, Isa]
Internationale Sportveranstaltungen - Tummelplatz für den Nationalismus oder Mittel für die Regionenbildung in Asien?. In: Asien. Deutsche Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur. 90, 2004. S. 23-38.

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