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2000, Deutsches Institut für Japanstudien, Tōkyō, 52 S..


Abriss

Die Wissenschaft des Fabrikbetriebes, die heutige Produktionswissenschaft, konstituierte sich in der wechselseitigen Durchdringung zwischen industrieller Praxis und wissenschaftlicher Forschung. Für das Verständnis dieses Prozesses erweist sich vor allem die Darstellung der wesentlichen Konstituierungs- und Entwicklungslinien der Produktionswissenschaft, dieser jungen Wissenschaftsdisziplin, von den deutschen Anfängen in der Mechanischen Technologie über die Anstöße aus der amerikanischen Rationalisierungsbewegung und Managementlehre bis hin zu den Erkenntnissen und industriellen Anwendungen japanischer Fabrikorganisation und Unternehmensführung im 20. Jahrhundert als sinnvoll. Zunächst richteten sich wissenschaftliche Untersuchungen auf den Fertigungsprozeß und einzelne diesen Prozeß bestimmende Arbeitssysteme, später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, auf die Fabrik als Arbeitssystem in ihrer Gesamtheit.

In dem von Georg Schlesinger (1874-1949) vor dem Ersten Weltkrieg geprägten Begriff der Betriebswissenschaft, die methodologisch und inhaltlich für die heutige Produktionswissenschaft konstituierend wirkte, vereinten sich zwei der einflußreichsten Strömungen theoretischer und praktischer Auseinandersetzungen mit dem industriellen Fabrikbetrieb zu einer neuen Wissenschaftsrichtung, die heute als Produktionswissenschaft bezeichnet wird.

Eine der beiden Strömungen nahm als Mechanische Technologie einen festen Platz an den damaligen Technischen Hochschulen ein, die andere wurde zusammen mit den Erfolgen der amerikanischen Rationalisierungsbewegung unter dem Namen wissenschaftliche Betriebsführung bekannt. Schlaglichtartig werden die in der heutigen Managementlehre als ingenieurmäßig-ökonomisch bezeichneten Ansätze in ihrer Wirkungsgeschichte für die Konstituierung der heutigen Produktionswissenschaft herausgestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Produktionswissenschaft im wesentlichen aus drei Schwerpunkten: der deutschen fertigungstechnischen Forschung-im Wirkungsgefüge der westeuropäischen Nachbarn -, die ihren institutionellen Rahmen bis Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts in der Hochschulgruppe Fertigungstechnik hatte, der amerikanischen Managementlehre sowie den japanischen Ansätzen zur rationellen Fabrikorganisation und Unternehmensführung. Deutsche, amerikanische und japanische Entwicklungsstränge stehen im Zuge der Globalisierung in einem immer engeren wechselseitig interdependenten Entwicklungszusammenhang, deren Analyse weiterführende Forschungen erfordert. Grundsätzlich besteht bei der Untersuchung dieser Entwicklungszusammenhänge die Schwierigkeit, die komplexen Interdependenzen zwischen Mensch, Technik und Arbeitsorganisation wissenschaftlich adäquat zu beschreiben, also eine einheitliche Sprache und Begrifflichkeit zu finden, die dem Gesamtkomplex der Entwicklung und der gegenwärtigen Erscheinung der Produktionswissenschaft gerecht wird. Meist dominieren die Sichtweisen und Lösungskonzepte einer Wissenschaftsdiziplin.

Bei der Betrachtung der Produktionswissenschaft, insbesondere ihrer Entwicklungslinien, ist jedoch eine integrierende Interdisziplinarität, die vor allem japanische, US-amerikanische und westeuropäische Entwicklungen beachtet, gefordert. Dieser Beitrag soll ein erster Schritt zu einer solchen Interdisziplinarität sein. Es stellt sich für die weitere Forschung die Herausforderung, den Gegenstand aus Sicht ingenieurwissenschaftlicher, historisch-logischer, wirtschaftlich-sozialer und psychologischer Sicht zu untersuchen und die weiterführenden Erkenntnisse und abgeleiteten Ergebnisse über die Entstehung, Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der Produktionswissenschaft bis hin zu den Perspektiven dieser jungen Wissenschaftsdisziplin aus eben dieser multidisziplinären Perspektive in weiteren Veröffentlichungen zu präsentieren.

Vollständiges Working-Paper und weiterführende Informationen zum Forschungsgegenstand: haak@dijtokyo.org

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