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Bibliographische Arbeiten aus dem Deutschen Institut für Japanstudien

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Ölschleger, Hans Dieter; König, Eva; Ölschleger, Barbara

Japaner in der Neuen Welt: Eine teilannotierte Bibliographie von Werken zu japanischen Einwanderern in Nordamerika in europäischen Sprachen 

1997, iudicium Verlag, München, 1038 S., geb., ISBN 3-89129-395-X, € 128,00. [ Bestellen ]


Abriss

Seit 1868 haben sich nahezu eine halbe Million japanischer Einwanderer in den Vereinigten Staaten und auf Hawaii angesiedelt, die meisten von ihnen in Perioden großer Einwandererströme zwischen 1890 und 1924, dem Jahr, in dem der US-Kongreß die japanische Immigration gänzlich untersagte. Die Japaner wurden vor allem ins Land geholt, um als manuelle Arbeiter die Chinesen zu ersetzen, denen bereits seit 1882 gesetzlich die Zuwanderung verboten worden war, die aber für Eisenbahnbau, Landarbeit und Holzwirtschaft eminente Bedeutung hatten.

Die ersten Jahrzehnte japanischer Präsenz in den Vereinigten Staaten waren geprägt durch Vorurteile und Diskriminierung, aber auch durch harte Arbeit, einsetzenden wirtschaftlichen Erfolg und erste Schritte hin auf eine soziale Integration der zweiten, also im Lande geborenen Einwanderergeneration. Alles dies wurde durch die Ereignisse des Pazifischen Krieges zunichte gemacht: Weniger als ein halbes Jahr nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor wurden unter der Begründung der öffentlichen Sicherheit sowohl in Kanada als auch in den Vereinigten Staaten alle Immigranten und ihre Kinder aus den eilig an der Westküste proklamierten und dem Militär unterstellten Sicherheitszonen evakuiert und zur Internierung ins Landesinnere verbracht. Von dieser Maßnahme betroffen waren ca. 110.000 Personen in den USA und mehr als 20.000 in Kanada. Die relativ geschlossene Gemeinde der Einwanderer wurde dadurch aufgebrochen und erholte sich nie wieder von diesem Schlag: Viele der Internierten kehrten nach Ende des Krieges nicht mehr an die Westküste zurück, sondern siedelten sich verstreut über die östlichen Landesteile der USA und Kanadas an.

Die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zu einem sozialen und wirtschaftlichen Siegeszug der japanischen Minorität in Nordamerika. Praktisch wieder bei Null beginnend, schaffte sie - nunmehr unter Führung der zweiten Generation (nisei) - durch erneute Anstrengungen weitgehende Integration, verbunden mit starker Akkulturation.

Nach den Daten der letzten Volkszählung im Jahre 1990 leben in den Vereinigten Staaten 847.562 eingewanderte Japaner oder US-Amerikaner japanischer Abstammung. Sie bilden eine ethnische Minorität innerhalb der multikulturellen Gesellschaft der Vereinigten Staaten, die weiter als je davon entfernt ist, im mainstream anglosächsischer Kultur aufzugehen. Sie sind sozial weitgehend integriert, gelten geradezu als Modell-Minorität, die es geschafft hat, in Bereichen wie Schul- und Universitätsausbildung, Einkommen und Beschäftigungsstruktur den Stand der weißen Majorität zu erreichen, teilweise sogar zu überholen. Dem entspricht aber keineswegs vollständige Akkulturation: Gerade in der dritten und vierten Generation (sansei und yonsei) ist das Wiederaufleben eines ethnischen Bewußtseins festzustellen, das aus japanischen Quellen schöpft, das aber auch im Zusammenhang einer weiteren - pan-asiatischen - Identitätsbildung asiatischer Einwanderer und ihrer Nachkommen in den USA aktiv wird. Die Beschäftigung mit Faktoren traditioneller japanischer Kultur und Gesellschaft, die heute noch, vermittelt und gebrochen durch historische und soziale Faktoren in der Erfahrung der Minderheit, einen wichtigen Platz in der Anpassung der Einwanderer und ihrer Nachkommen spielen, nimmt in den Forschungen zur zeitgenössischen Situation der Japaner in den USA einen breiten Raum ein.

Ebenso interessant wie die moderne Situation ist die Geschichte der Erfahrungen japanischer Einwanderer als Minderheit. In den hier bibliographisch versammelten Publikationen findet sich alles, was zu vergleichenden Studien zu Immigration, zur Anpassung der Immigranten an eine neue Umwelt sowie zur Reaktion einer oftmals ablehnenden Majorität als Faktoren in einem komplexen Zusammenspiel notwendig ist.

Man kann die japanische Minderheit in Nordamerika somit als ein Feld betrachten zum Studium sozialer und kultureller Dynamik, die in der traditionellen japanischen Kultur angelegt ist und deren Kenntnis auch wichtige Rückschlüsse über das Mutterland der Einwanderer zuläßt. Aufgabe der vorgelegten Bibliographie soll es sein, einen Zugang zu diesem - in der deutschen Forschung vernachlässigten - Gebiet zu schaffen. Allein ein Blick auf die schiere Masse der zusammengetragenen Werke (3.697 publizierte Bücher, Aufsätze, Broschüren usw., dazu über 400 Dissertationen und 200 Magisterarbeiten, in der überwiegenden Mehrzahl in englischer Sprache) zeigt, daß man sich in Nordamerika der Fruchtbarkeit einer Beschäftigung mit der japanischen Minorität sehr bewußt ist.

Die Bibliographie deckt fast alle Veröffentlichungen in westeuropäischen Sprachen ab. Sie ist in 28 Sachgruppen gegliedert

  1. Bibliographisches
  2. Lexika; Adreßbücher, Directories
  3. Periodika
  4. Zur Emigration aus Japan: Ausmaß, Charakter und Folgen
  5. Japanische Einwanderung in ihrer Bedeutung für das Verhältnis zwischen den Nationen
  6. Überblickswerke zur japanischen Einwanderung und zu den ethnischen Gemeinschaften in Nordamerika
  7. Einzelaspekte der Geschichte der japanischen Einwanderer
  8. Die japanische Minorität in den nordamerikanischen Gesellschaften: Einstellungen und Verhalten der weißen Majorität
  9. Soziales Leben
  10. Frauen
  11. Alte
  12. Erziehung und Schule
  13. Wirtschaft
  14. Politik
  15. Recht
  16. Sprache und Kommunikation
  17. Presse
  18. Religion
  19. Kunst
  20. Literatur
  21. Personen und Persönliches (Biographien, Autobiographien etc.)
  22. Geistiges Leben
  23. Sozialarbeit, Krankenpflege, Counseling
  24. Somatisches
  25. Die Wissenschaft befaßt sich mit sich selbst
  26. Regierungsamtliche Publikationen
  27. Dissertationen
  28. Magisterarbeiten

und über drei Indizes zu erschließen (Namensindex, Titelindex, Sach- und geographischer Index). Sie richtet sich an Sozialwissenschaftler, Mediziner und Psychologen, die für vergleichende Studien auf das Beispiel einer ethnischen Minderheit im Prozeß der Integration in und Akkulturation an eine fremde Gesellschaft zurückgreifen wollen.

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