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Die Illusion vom Glück. Japan und der Westen 

2009, Verlag Neue Zürcher Zeitung / Primus Verlag, Zürich / Darmstadt, 112 S., ISBN: 978-3-89678-817-7, EUR 19,90. [ Bestellen ]


Abriss

Der Konsumkapitalismus westlicher Prägung verbindet "Glück" vor allem mit materiellem Reichtum. Wie kein
anderes Land der östlichen Welt hat sich Japan diese Glücksverheißung des Kapitalismus zu eigen gemacht, wie kein anderes Land hat es das Klassenziel Wohlstand erreicht - und doch sind die Menschen hier nicht glücklich. Warum?

Florian Coulmas hinterfragt unsere Glücksvorstellungen vor dem Hintergrund westlicher und östlicher Ideale und liefert eine kluge Analyse mit überraschenden Einsichten.

Inhalt

S. 9-19
Der Zauber des Glück in der Postmoderne

Die Moderne kennt keine Wunder. Die "Entzauberung der Welt" durch die europäische Aufklärung hat sie abgeschafft. Indem die Wissenschaft das Glück zu einem ihrer Gegenstände macht, bekräftigt sie dies und dient gleichzeitig dem Nachweis, dass die auf dem Boden der Aufklärung gewachsene Lebensform die bessere ist. Damit lässt sie in der Postmoderne die Wunder unversehens durch die Hintertür wieder herein. Es wird besprochen, wie viel die Ideologie des Glücks mit Entwicklung zu tun hat.

S.20-31
Reich, gebildet und alt - Japan heute

In diesem Kapitel werden die Voraussetzungen kollektiven Glücks dargestellt, die Japan heutzutage wie kaum ein anderes Land erfüllt. Seine moderne Geschichte ist die Geschichte des Erfolgs des ersten Entwicklungslandes, am deutlichsten manifestiert durch die Vervierfachung seiner Bevölkerung seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Heute ist sie an einem Punkt angelangt, wo sich mit Dringlichkeit die Frage stellt, ob die Erfolgsgeschichte weitergehen kann. Denn Japan schrumpft ein unmissverständliches Zeichen der Krise, wenn nicht des Versagens.

S. 32-45
Vom "guten Leben" zur Verwissenschaftlichung des Glücks - die westliche Tradition

Das dritte Kapitel handelt von Vorstellungen des kollektiven und individuellen Glücks, wie sie sich in der abendländischen Tradition entwickelt haben, schwankend zwischen Diesseits und Jenseits, den Göttern und der Eigenverantwortlichkeit des Menschen. Von Aristoteles zum Utilitarismus Jeremy Benthams reicht eine rationalistische Linie, die immer wieder von der dem Boden der mosaischen Tradition entsprossenen irrationalen Religiosität überlagert und gebrochen wurde, wodurch sich in Europa eine starke, oft aggressive Dynamik entfaltete.

S. 46-58
"Der Weg ist das Ziel" - die östliche Tradition

Westlichen Vorstellungen vorn Glück werden in diesem Kapitel wichtige Alternativen der fernöstlichen Tradition gegenübergestellt, insbesondere diejenigen des Konfuzianismus, des Buddhismus und des Taoismus. Sie bestimmten das ideologische Universum Japans eineinhalb Jahrtausende lang und wirken, vielfach transformiert, auch heute noch.

S. 59-74
Streit um Glück

In diesem Kapitel wird beschrieben, wie westliche und östliche Ideen vom Glück aufeinanderprallten. Anders als in China, wo man immer an die Überlegenheit der eigenen Tradition glaubte, kam es in Japan Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Konfrontation mit dem Westen zu einer ideologischen Wende. Die Frage nach dem Glück wurde explizit gestellt, wobei europäisches Gedankengut - von Jeremy Bentham und Adam Smith zu John Stuart Mill und Herbert Spencer rezipiert und zum Teil übernommen wurde.

S. 75-90
"Streben nach Glück" auf dem "freien Markt"

Japan wurde durch seine Modernisierung im 19. Jahrhundert zum ersten erfolgreichen Entwicklungsland, das einen Platz unter den Mächten der Welt beanspruchte und sich auch erwarb. Den Motor der kapitalistischen Gesellschaftsordnung machte es sich zu eigen, nämlich das Streben nach Glück unter den Bedingungen des Wettbewerbs auf dem Markt. Japans Erfolg als kapitalistische Großmacht ließ das Land zum Bezugspunkt aller Glück verheißenden Entwicklungsprojekte werden. Der Diskurs über Glück auf kollektiver
Ebene ist ein Diskurs über Entwicklung.

S. 91-107
Unglück im Glück

Im materiell saturierten Japan von heute gibt es viel Unzufriedenheit, und es mehren sich die Stimmen, die nicht nur Zweifel an der Gleichsetzung von Glück und Wohlstand anmelden, sondern das Streben nach individuellem Glück als oberstes Ziel der Gesellschaft zurückweisen. Die These, dass die Japaner nicht trotz, sondern wegen ihres Wohlstands wenig glücklich sind, gibt Anlass, über das Streben nach Glück unter den Bedingungen des Kapitalismus im Allgemeinen nachzudenken.

S. 108-112
Anhang

Rezensionen

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