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Canon and Identity - Japanese Modernization Reconsidered: Trans-Cultural Perspectives 

2000, Deutsches Institut für Japanstudien, Berlin, Tokyo, 198 S., ISBN 3-938257-14-8.


Abriss

Japans Modernisierung im späten 19. Jahrhundert ist schon seit langem besondere Aufmerksamkeit zuteil geworden, gilt der Fall Japan doch als Musterbeispiel einer erfolgreichen Modernisierung, mit der das Land als einzige nicht-westliche Nation dauerhaft in den Kreis der führenden Industrienationen aufrückte. Hatte man bis in die sechziger Jahre diese Modernisierung zunächst vor allem unter dem Aspekt westlichen Einflusses und japanischer "Imitation" untersucht, so dominierten danach Forschungen zu den indigenen, vormodernen Wurzeln der japanischen Entwicklung in der Moderne. Mittlerweile ist das Bild komplexer geworden. Man widmet sich Fragen nach der "Erfindung von Traditionen" (Hobsbawm) und thematisiert die Herausbildung neuer Institutionen als Respons auf die Konfrontation mit dem Okzident.

Fragen dieser Art versprechen neue Ansatzpunkte für die kultur- und sozialwissenschaftliche Japanforschung, wobei der Auseinandersetzung mit dem Fremden besonderes Interesse gilt. Zwar ist es der "Westen", der Japan Anregungen zur Neuformulierung kultureller Identität vermittelte, doch China, das dauerhaft präsente Andere, erhält aus japanischer Sicht ebenfalls eine neue Funktion. Bei der Herausbildung einer nationalen Identität und eines Nationalstaats moderner Prägung spielten Sprache und Literatur eine wichtige Rolle. Der Gedanke einer Nationalsprache, die die "Vereinheitlichung von gesprochener und geschriebener Sprache" (genbun itchi) und eine Homogenisierung zur Folge hatten, hat hier seine Wurzeln. Auch die Erzählliteratur wurde nun neu definiert und institutionalisiert. Literaturtheorie und -geschichte wiederum, in einen nationalen Rahmen gesetzt, wurden in dieser Zeit in der sich neu formierenden akademischen Welt heimisch und trugen dazu bei, Vorstellungen von eigener kultureller Tradition zu entwickeln. Auch in anderen Bereichen, beispielsweise in der Religion, die als nationale begriffen wird, und bei der Entstehung neuer Medien und eines entsprechenden Publikums läßt sich beispielhaft studieren, wie es zur Herausbildung eines neuen, auf die Nation gerichteten Bewußtseins kommt.

Fragen von "Kanon und Identität" standen im Mittelpunkt einer internationalen Tagung vom Oktober 1995, die die Herausgeberin in Zusammenarbeit mit dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin und mit Unterstützung des Asia Committee der European Science Foundation als Teil eines Forschungsprojekts der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften unter dem Titel "Die Herausforderung durch das Fremde" organisiert hatte. Der Band enthält die überarbeiteten Fassungen der Mehrzahl der seinerzeit präsentierten Referate und dokumentiert damit eine Diskussion, die inzwischen an Aktualität eher noch gewonnen hat.

Inhalt


S. 7-24
Einführung

Brownstein, Michael C.

S. 25-35
The Study of Japanese Literature in Mid-Meiji

Schamoni, Wolfgang

S. 37-60
The Rise of "Literature" in Early Meiji: Lucky Genres and Unlucky Ones

Kamei Hideo

S. 61-75
Western Elements in the Formation of Modern Japanese Literature: The Problem of the Protagonist and Structure

Walker, Janet

S. 77-105
Visiting Flower Meisho (Famous Places) and the Negotiation of Cultural Identity in Texts by Futabatei Shimei and Nagai Kafū

Tanaka Katsuhiko

S. 107-116
The Discovery of a National Language (kokugo) in Meiji Japan

Sakai Naoki

S. 117-144
LIterary Nation: Translation and the Figure of National Culture

Narita Ryūichi

S. 145-166
The World of Shōnen Sekai

Yasumaru Yoshio

S. 167-181
National Religion, the Imperial Institution, and Invented Tradition – The Western Stimulus

Harootunian, Harry D.

S. 183-198
Enduring Custom: Memory, Repetition and Aura and the Claims of Native Knowledge

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