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Symposien und Konferenzen

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Takeuchi Yoshimi – Thinker of a Different Modernity in East Asia?

07.09.2004 - 10.09.2004

Koordination: DIJ Tokyo & Japanologisches Seminar, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Abriss

 Das Symposion wird das erste zum Werk des japanischen Sinologen, Übersetzers, Denkers und Kulturkritikers TAKEUCHI Yoshimi (1910-1977) in einem westlichen Land sein. In Japan ist seit mehreren Jahren ein neu erwachtes Interesse an Takeuchi zu beobachten, obgleich sein Einfluß in den 50er und 60er Jahren am größten war. Takeuchis Verdienste bei der Erforschung der modernen chinesischen Literatur – und dies gilt insbesondere für das Werk von  LU Xun (1881-1936), dem wohl bedeutendsten Schriftsteller des modernen China, welchen er durch seine Übersetzungen dem japanischen Publikum vorstellte – sind heute unbestritten. Den Anlaß für das neue Interesse an Takeuchi bildet jedoch, außer einer sich langsam Gehör verschaf-fenden neuen Lesart seiner Lu Xun-Interpretation, eher sein Geschichtsdenken, welches um die Rolle Asiens in der Geschichte kreist. Weil dieses Geschichtsdenken der gegenwärtigen De-batte über den Regionalismus in Ostasien wichtige Impulse vermittelt, werden seine Ideen nicht nur in Japan, sondern auch in China diskutiert.
Elemente eines Bezugsrahmens für einen ostasiatischen Regionalismus wurden frühzeitig von Takeuchi entwickelt, wenngleich nicht in sozialwissenschaftlicher und systematischer Form, sondern anhand der Texte von Schriftstellern und Denkern, die sich zu Ostasien äußerten. Da-bei tendiert Takeuchi selber dazu, die Tradition des „Asianismus“ in Japan, die er nach 1945 fast als einziger zu Tage gefördert hatte, in seinem Werk fortzusetzen. Wo japanische Intellek-tuelle das in der modernen Geschichte Japans sich herausbildende Spannungsverhältnis zwi-schen japanischem Nationalismus und „Asianismus“ zumeist verdrängen, wird bei Takeuchi gerade dieses Spannungsverhältnis zum Gegenstand seiner Überlegungen. Heutzutage ist das Anknüpfen an frühere Konzepte eines „geeinten Asiens“ von stärker werdenden politischen Bestrebungen, der Region Ostasien auch einen institutionellen Rahmen zu geben, begleitet.
Ziel dieses Symposions ist es, die von Takeuchi entwickelten Elemente eines Bezugrahmens für einen ostasiatischen Regionalismus kritisch zu rekonstruieren, für die westliche Welt zu „übersetzen“ und auf diese Weise eine ideengeschichtliche Folie zu gewinnen, vor der heute vorgebrachte kulturell-historische Begründungen „Ostasiens“ überprüft werden können. Dabei gehen die Organisatoren von der Prämisse aus, daß sich der heutige Regionalismus keineswegs nur in Gestalt ökonomischer und politischer Bestrebungen in Ost- und Südostasien ausdrückt (wie beispielsweise in ASEAN [Association of Southeast Asian Nations]), sondern auch kulturell und dabei möglicherweise einem kulturellen Essentialismus erliegt. Er sollte deshalb auch mit den Ansätzen unterschiedlicher kulturwissenschaftlicher Disziplinen analysiert werden. Das Symposion soll als Vorarbeit dafür die kulturellen und historischen Dimensionen dieser Regionalisierung herausarbeiten, indem die Arbeiten Takeuchis über Asianismus und Nationa-lismus in Japan ausführlich vorgestellt werden, um auf dieser Grundlage eine Expertendiskus-sion zu führen.
Im Westen wurden diese Beiträge ebenso wie die dadurch ausgelösten Debatten in Japan, China und Korea bisher kaum zur Kenntnis genommen, geschweige denn Gegenstand wissen-schaftlicher Forschung in Japanologie, Sinologie, Koreanologie oder – systematisch – in Politi-scher Wissenschaft. Die Gründe dafür dürften nicht allein in der tatsächlich sehr hohen Sprachbarriere liegen. Vielmehr konzentriert sich die politische und intellektuelle Aufmerksam-keit des Westens derzeit – mit einem gewissen Recht – auf Entwicklungen in der islamischen Welt. Daß jedoch gleichzeitig ein Prozeß der Regionalisierung auch in Ostasien im Gange ist, der sich keineswegs auf die ökonomische Integration der Länder in dieser Region beschränkt, wird leicht übersehen. Die Regionalisierung in Ostasien dürfte sich jedoch in Zukunft für Europa und die USA als folgenreich erweisen. Konzepte, welche Ostasien als Region begreifen, sind deshalb nicht allein für China, Japan, Korea und andere Länder der Region selbst relevant, son-dern müssen auch in den westlichen Ländern vermittelt und verstanden werden.

Programm


07.09.2004:
  The Thinker Takeuchi Yoshimi
09:30-10:30 Takeuchi as a Philosopher
  Richard CALICHMAN

10:30-11:00 Break
11:00-12:30 Takeuchi's bungaku seishin
  OKAYAMA Asako

12:30-14:00 Lunch
14:00-15:30 The possibility of tenkan towards hegemonial thought - did Takeuchi realize it?
  MISHIMA Ken'ichi

15:30-16:00 Break
16:00-17:30 Takeuchi's "What is the Modern?" and Europe Today
  Takeuchis "What is the Modern?" and Europe Today
Wolfgang SEIFERT


08.09.2004:
  Takeuchi Yoshimi as Sinologist
09:30-10:30 Takeuchi and the Chūgoku bungaku kenkyūkai
  SUN Ge

10:30-11:00 Break
11:00-12:30 Approaching Takeuchi's "maiden work" Rojin
  Christian UHL

12:30-14:00 Lunch
14:00-15:30 Takeuchi as Translator of modern Chinese Literature
  MARUKAWA Tetsushi

15:30-16:00 Break
16:00-17:30 Takeuchi Yoshimi and Mao Zedong
  KAGAMI Mitsuyuki


09.09.2004:
  Contributions of Takeuchi to Historiography
09:30-10:30 Takeuchi Yoshimi, Asianism and International Relations – what can philosophers tell us about politics?
  Sven Saaler

10:30-11:00 Break
11:00-12:30 The Structure and Problems of Takeuchi Yoshimi‘s Theory on Asianism. 'Overcoming Modernity' by Breaking the 'Spell of Asianism'
  LEE Gyeong-seog

12:30-14:00 Lunch

10.09.2004:
  Legacy and Perspectives
09:30-10:30 (not yet decided)
  MATSUMOTO Sannosuke

10:30-11:00 Break
11:00-12:30 The legacy of Takeuchi's Asianism
  MATSUMOTO Ken'ichi

12:30-14:00 Lunch
14:00-15:30 (not yet decided)
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