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Dr. Sven Saaler

( 01.11.2000 - 01.04.2005 )

Geschichte/ Politikwissenschaft

1. Militär und Politik im modernen Japan

Angesichts der jüngsten Entwicklungen in der japanischen Politik und Gesellschaft ist das Verhältnis von Militär und Politik sowie die Frage der zivilen Kontrolle von Streitkräften wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Mit diesem Projekt soll ein Beitrag zur Erforschung der historischen Hintergründe der Stellung des Militärs in der Politik des modernen Japan geleistet werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Rolle des Kaiserlichen Militärs im Japan der Vorkriegszeit, vor allem während der Taishō-Zeit (1912-1926), die bis heute in der Forschung nur wenig Beachtung gefunden hat und zumeist als ausgesprochen „demokratische“ oder gar „liberale“ Epoche charakterisiert wurde.

Diese Einschätzung erscheint jedoch problematisch. Gerade in die Taishō-Zeit fiel, wenn auch weitgehend unbemerkt sowohl von Zeitgenossen wie auch von der bisherigen Forschung, die Etablierung der Kaiserlichen Armee als autonomer Faktor auf der politischen Bühne. Erst durch diese Etablierung sowie die Schaffung von Präzedenzfällen für politisches Engagement der Armee in Innen- und Außenpolitik wurde der Weg Japans in das Primat des Militärs in der Politik der 1930er Jahre ermöglicht. Erst mit der Taishō-Zeit wurde deutlich, daß die politische Sonderstellung der Armee es dieser ermöglichte, jederzeit in den Prozeß der politischen Entscheidungsfindung einzugreifen.

2. Pan-Asianismus im Japan der Meiji- und der Taishō-Zeit

Seit der Öffnung Japans 1853/54 stand im Mittelpunkt der politischen Debatten die Frage, ob Japans Zukunft in Asien oder „im Westen“ liege. Heftig wurde darüber gestritten, wieviel Modernisierung nach westlichem Vorbild zur Sicherung der staatlichen Unabhängigkeit nötig, wieviel Verwestlichung aber ohne Verlust der asiatischen Identität Japans möglich sei. Gegen das Plädoyer eines Fukuzawa Yukichi für eine „Flucht aus Asien und Hinwendung zu Europa“ (Datsu-A nyū-Ō) forderten bereits früh prominente Intellektuelle, Politiker und Ideologen eine Rückbesinnung auf die asiatischen Wurzeln Japans (Ajia-kaiki).

Der politische Ausdruck dieser Denkrichtung im intellektuellen Diskurs war der Pan-Asianismus (oder Asianismus). Dieses Projekt soll die Ursprünge und die Entwicklung der Ideologie des Pan-Asianismus untersuchen, welcher bis auf den heutigen Tag eine einflußreiche Richtung im intellektuellen politischen Diskurs geblieben ist, in der Forschung aber nur wenig Beachtung gefunden hat. Ausgehend von frühen pan-asiatischen Ideologen wie Sugita Tei’ichi und Tarui Tōkichi soll dem Vorgang der Politisierung der anfangs eher kulturalistischen Bewegung des Pan-Asianismus besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dazu soll eine Analyse der Publikationen pan-asiatisch orientierter politischer Vereinigungen, vor allem aber ihrer Konzepte von „Asien“ sowie Japans Platz in Asien durchgeführt werden.

3. Japan 1867/68: Putsch, Restauration oder Revolution?

Die sogenannte ‘Meiji-Restauration’ (Meiji-ishin) war eines der einschneidendsten Ereignisse in der modernen japanischen Geschichte. Sie beendete das Zeitalter des Feudalismus in Japan und sollte sich als Startsignal für Japans Entwicklung zu einem modernen und zentralisierten Nationalstaat erweisen. Weshalb werden der Regierungswechsel der Jahre 1867/68 – und mitunter auch die Veränderungen der beiden folgenden Dekaden – also als ‘Restauration’ (ishin) bezeichnet? War - wie bei vielen Regierungswechseln - der Rückgriff auf Traditionen einer Zeit vor der Schaffung des zu stürzenden Regimes nötig, um den eigenen Handlungen Legitimität zu verleihen?

Nach einer grundlegenden Definition der Begriffe Restauration (chūkō, isshin, ishin), Reform (kaikaku), Revolution (kakumei) und Staatsstreich (kūdetâ) im Kontext der europäischen sowie der japanischen Geschichtsschreibung soll eine differenzierte Standortbestimmung des Regierungswechsels der Jahre 1867/68 vorgenommen werden. Dabei soll der historischen Bedeutung der Meiji-ishin im Rahmen der asiatischen Geschichte besondere Beachtung geschenkt werden.

4. Der Streit um Japans Geschichts- und Sozialkundelehrbücher seit 2001

Im Gegensatz zu früheren Kapiteln in der Auseinandersetzung um japanische Geschichtslehrbücher hat sich der aktuelle Schulbuchstreit, der neben den Geschichtslehrbüchern auch die Lehrbücher für den Sozialkundeunterricht zum Gegenstand hat, zu einer allgemeinen Auseinandersetzung um Geschichtsschreibung im weitesten Sinne, Erinnerungskultur, Japans Stellung in der Welt und die japanische Identität entwickelt.

Dieses Projekt soll einen zentralen Aspekt der Diskussion untersuchen, nämlich die Frage nach dem Stellenwert des Militärs in Japans Geschichte, Gesellschaft und politischem System der Gegenwart. Dabei geht es nicht nur um die Interpretation der Kriegsvergangenheit und die implizit damit zusammenhängende Diskussion um die Außenpolitik sowie die Revision der Verfassung, sondern vor allem auch um die Frage nach dem Verhältnis des Individuums zum Staat bzw. der Entwicklung der civil society im japanischen Staat und der japanischen Gesellschaft.

Abgeschlossene DIJ Projekte

Publikationen

Bücher

(2005)
Politics, Memory and Public Opinion. The History Textbook Controversy and Japanese Society.
München: iudicium Verlag. 202 S., Hardcover
(2000)
Zwischen Demokratie und Militarismus: Die Kaiserlich-Japanische Armee in der Politik der Taishō-Zeit (1912-1926). Bonner Japanforschungen, Bd. 21.
Bonn: Bier'sche Verlagsanstalt. 587 S.

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