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Ehemalige Mitarbeiter/-innen

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Dr. Harald Conrad

( 01.07.2000 - 31.03.2007 )

Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Sozialversicherung und Arbeitsmarkt

Wie viele Länder, so sucht auch Japan heute nach einem neuen Paradigma bei der Gestaltung seiner sozialen Sicherungssysteme. Vor dem Hintergrund der Globalisierung des Standortwettbewerbs, der zu einer veränderten internationalen Arbeitsteilung und einer wachsenden regionalen Verflechtung von Wirtschafts- und Sozialräumen führt, vollziehen sich in den öffentlichen Sozialversicherungssystemen und am Arbeitsmarkt derzeit weitreichende Veränderungen. Im Rahmen einer wirtschaftswissenschaftlichen Instrumentenanalyse werden aktuelle Reformen in den klassischen Sozialpolitikbereichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie in der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik untersucht.

Japan in der vergleichenden Sozialpolitikforschung

In der vergleichenden Sozialpolitikforschung gibt es seit Jahren eine lebhafte theoretische und empirische Auseinandersetzung um die Frage, ob die Globalisierung eine zunehmende Konvergenz der Grundmodelle sozialer Sicherung bewirkt bzw. welche länderspezifischen Faktoren einer solchen Konvergenz gegebenenfalls entgegenstehen. Außerdem wurde die Forschung nachhaltig durch verschiedene Arbeiten zu Sozialstaatstypologien geprägt, in denen nicht mehr die Höhe und Struktur der Sozialleistungen im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Qualität der verschiedenen sozialen Arrangements zwischen Staat, Markt und Familie. Mit der Analyse des japanischen Sozialsystems und seiner Veränderungen soll ein Beitrag zur Weiterentwicklung dieser zentralen Theorien der Sozialpolitikforschung geleistet werden.

Wirtschaftskraft Alter in Japan: Handlungsfelder und Strategien

Jahrelang wurde der gesellschaftliche Alterungsprozeß in der japanischen Wirtschaft und Bürokratie vornehmlich negativ beurteilt (Stichwort: Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme). In dieser Hinsicht zeichnet sich nun ein allmählicher, aber nachhaltiger Sinneswandel ab. Die Chancen, die sich für Wirtschaft und Beschäftigung aus der Bevölkerungsalterung ergeben, treten zunehmend ins Blickfeld der Akteure. Tatsächlich setzen heute viele japanische Unternehmen Maßstäbe bei der Entwicklung des sogenannten "Silbermarktes". Die Analyse umfaßt eine Bestandsaufnahme aktueller Ansätze, Strategien und "best practices" dieses Marktes. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse für die Theorieentwicklung fruchtbar gemacht werden. Hierzu wird untersucht, welche Rahmenbedingungen - sowohl länderspezifisch als auch allgemein - für eine erfolgreiche Entwicklung dieses Marktsegmentes von Bedeutung sind.

Betriebs- und volkswirtschaftliche Wirkungen des demographischen Wandels

Japan ist heute die am schnellsten alternde Industrienation der Welt. Insofern ist das Land ein idealer Forschungsgegenstand bei der Frage nach den langfristigen wirtschaftlichen Folgen der Bevölkerungsalterung. Es werden sowohl betriebswirtschaftliche als auch volkswirtschaftliche Implikationen des demographischen Wandels untersucht. Folgende Fragenkreise stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Welche Wirkungen hat die Bevölkerungsalterung auf die japanischen Finanzmärkte und die kapitalgedeckte Altersvorsorge?
  • Welche Herausforderungen ergeben sich für die Infrastrukturpolitik und den Immobilienmarkt?
  • Welche Wirkungen gehen von der Bevölkerungsalterung auf das japanische Beschäftigungssystem und den Arbeitsmarkt aus?
  • Inwiefern wird die Innovationsfähigkeit und damit die längerfristige Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Wirtschaft beeinflußt?

Der Wandel des japanischen Beschäftigungssystems

Das japanische Beschäftigungssystem ist durch verschiedene Charakteristika wie lebenslange Beschäftigungsgarantien (für männliche Arbeitnehmer in Großbetrieben), wenig spezialisierte Karrierepfade, geringe Lohndifferenzierungen, Betriebsgewerkschaften etc. gekennzeichnet. Verschiedene Studien, die den Zusammenhang zwischen Human Resource Management und Unternehmensperformance untersuchen, kommen zu dem Schluß, daß verschiedene dieser Praktiken den Unternehmenserfolg positiv beeinflussen konnten. Auf der anderen Seite stellt die Alterung der Belegschaften in den senioritätsbasierten Entlohnungssystemen nunmehr ein großes Problem für die Unternehmen dar. Meine Untersuchung konzentriert sich auf die Frage, welchen Veränderungen das japanische Beschäftigungssystem aktuell unterworfen ist. Gibt es eine Hinwendung zu mehr marktbasierten Praktiken mit externen Arbeitsmärkten und leistungsorientierter Entlohnung? Wie werden die Praktiken des "alten" Systems an veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen angepasst, und inwiefern verändert dies den Charakter des japanischen Beschäftigungssystems?

Abgeschlossene DIJ Projekte

Publikationen

Bücher

(2001)
The Japanese Social Security System in Transition – An Evaluation of the Current Pension Reforms.   
Berlin, Tokyo: Deutsches Institut für Japanstudien. 111 S.
(2000)
Reformen und Problembereiche der öffentlichen Rentenversicherung in Japan.
Marburg: Tectum Verlag. 311 S.

Herausgeberschaft

Artikel

Arbeitspapiere

Sonstige Publikationen

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