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Dr. Hanns Günther Hilpert

( 01.07.1999 - 28.02.2002 )

Wirtschaftswissenschaft

Konjunktur

Nach drei Dekaden hohen wirtschaftlichen Wachstums ist Japan  in den neunziger Jahren in eine lang anhaltende Phase der konjunkturellen Stagnation eingetreten, die zudem von strukturellen Momenten überlagert wird. Infolge der bereits in den achtziger Jahren begonnenen Liberalisierung  und Deregulierung der japanischen Wirtschaft und betroffen durch den immer schärfer werdenden Wettbewerb ostasiatischer Anbieter durchläuft die gewerbliche Wirtschaft Japans schmerzhafte industrielle Restrukturierungsprozesse. Aufgrund der deflationär wirkenden Bankenkrise haben sich zudem die Refinanzierungsmöglichkeiten und die Absatzmöglichkeiten im Inland verschlechtert. Neben der notwendig aktuellen Analyse und Prognose der japanischen Konjunktur stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Länge und der Ausprägung der Konjunkturzyklen sowie nach den typischen Konjunkturmustern in Japan - jeweils im Vergleich zu anderen Industrieländern. Des weiteren stellt sich die für die Praxis höchst relevante Frage nach der Aussagekraft und der (internationalen) Vergleichbarkeit japanischer Konjunkturdaten sowie nach den angewandten Methoden der Konjunkturforschung in Japan.

Außenwirtschaft

Die Außenwirtschaftsbeziehungen Japans sind von ausgeprägten strukturellen Besonderheiten gekennzeichnet: Traditionell ist Japan eine binnenorientierte Volkswirtschaft. Der alljährlich unterhalb von  10 Prozent  liegende  Anteil des Exports am Bruttoinlandsprodukt ist in Japan niedriger als in den Industrieländern Europas, Nordamerikas und Ostasiens. Auch ist der auf den intraindustriellen Handel entfallende Anteil am gesamten Außenhandel  im Falle Japans geringer als in anderen Industrieländern. Seit Beginn der achtziger Jahre akkumuliert Japan alljährlich Rekordüberschüsse im Warenhandel, in der Leistungsbilanz und im Direktinvestitionsverkehr mit jeweils ausgeprägten sektoralen Schwerpunkten. In den neunziger Jahren konzentriert sich der außenwirtschaftliche Austausch Japans zunehmend auf die benachbarte Region Ostasien. Angesichts der Intensivierung des intraindustriellen Waren- und Leistungsverkehrs Japans auf der einen Seite und aufgrund des zunehmenden interindustriellen Verdrängungswettbewerbs vor allem der ostasiatischen Schwellenländer auf der anderen Seite sind die genannten Muster des japanischen Außenwirtschaftsverkehrs einer tendenziellen Erosion ausgesetzt. Der dynamische Wandel in der japanischen Außenhandelsstruktur manifestiert sich kaleidoskopartig im Prozess der regionalen außenwirtschaftlichen Integration Ostasiens.

Ökonomische Integrationsprozesse in Ostasien

Traditionell orientieren sich die Industrie- und Schwellenländer Ostasiens außenwirtschaftlich hin zu extraregionalen Handelspartnern (USA, Westeuropa). Aber etwa seit Mitte der achtziger Jahre ist empirisch ein Trend hin zu einer zunehmend intraregionalen Verflechtung festzustellen. Auffallend ist indes, daß in Ostasien bislang - anders als in Europa oder Nordamerika - kein verbindliches integrationsfördendes Handelsabkommen vereinbart wurde. Nicht die Handelspolitik, sondern gänzlich andere Bestimmungsfaktoren scheinen für die wachsende außenwirtschaftliche Verflechtung innerhalb Ostasiens verantwortlich zu sein. Zu nennen sind insbesondere die Industrialisierung und das Wachstum der Entwicklungs- und Schwellenländer der Region (NIEs, ASEAN, China), der intraregionale Investitionsverkehr, die grenzüberschreitenden Agglomerationsprozesse und das profitgetriebene Handeln der japanischen und asiatischen Unternehmensnetzwerke. In einem engen Zusammenhang mit den zuvor genannten Faktoren sieht die Zunahme des "processed trade" Die wesentlichen Antriebskräfte der ökonomischen Integration Ostasiens sind offensichtlich nicht allein in außenhandelstheoretischen, sondern eben auch in entwicklungstheoretischen und raumwirtschafltichen Bestimmungsfaktoren zu finden. Vor diesem Hintergrund stellen sich die grundsätzlichen Fragen nach den voraussichtlichen Zentren der (außen)wirtschaftlichen Gravitation in Ostasien, nach der Natur und der Dynamik der außenwirtschaftlichen Beziehungen im Dreieck Japan-China-Südostasien, sowie die wirtschaftspolitische Frage nach den Konsequenzen für die Handels- und Währungspolitik der Region Ostasien.

Beziehungen zwischen Wirtschaft und Staat

In der nachholenden Entwicklung und späten Industrialisierung Japans nahm der Staat traditionell in seiner Funktion als Initiator, Förderer, Regulierer, Koordinator und  Finanzier der Wirtschaft eine maßgebliche Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ein. Die gegen Ende der achtziger Jahre einsetzende Phase der Liberalisierung und Deregulierung hat nicht nur in den betroffenen Teilbereichen, sondern eben auch in den Beziehungen zwischen Wirtschaft und Staat einen Strukturwandel ausgelöst. Im Zuge des Reformprozesses hat sich der Aktionsradius der Ministerialbürokratie für diskretionäre Einflußnahme auf Unternehmensentscheidungen vermindert. Die traditionell kooperative Beziehung zwischen Staat und Unternehmen lockert sich. Dieser Wandel im Verhältnis Staat und Wirtschaft hat Auswirkungen auf praktisch alle Felder der Wirtschaftspolitik. Er erscheint insbesondere bemerkenswert in den Bereichen der Außenwirtschaftspolitik, der Industriepolitik, der  Forschungs- und Entwicklungspolitik und der Wettbewerbspolitik.

Abgeschlossene DIJ Projekte

Publikationen

Bücher

(1999)
Schriftenreihe des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung Nr. 146.
München/ Berlin:
(1998)
[Mit: Habuda, Judith; Martsch, Silvia; Ochel, Wolfgang ] Neue Ansätze und Instrumente der Außenwirtschaftsförderung in ausgewählten Industrieländern.
München:
(1997)
[Mit: Laumer, Helmut; Martsch, Silvia; Nassua, Thomas] ifo studien zur japanforschung Nr. 13.
München:
(1997)
[Mit: Taube, Markus] ifo studien zur japanforschung Nr. 12.
München:
(1994)
[Mit: Ochel, Wolfgang; Penzkofer, Horst; Reinhard, Michael ] Wirtschafts- und Technologiepolitik und ihre Auswirkung auf den internationalen Wettbewerb: Das Beispiel der Halbleiterindustrie . Schriftenreihe des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung Nr. 138.
München/ Berlin: Duncker & Humblot.
(1993)
[Mit: Vieweg, Hans G.] Schriftenreihe des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung Nr. 135.
München/Berlin: Duncker & Humblot.
(1993)
[Mit: Ernst, Angelika; Hild, Raimund; Martsch, Silvia] ifo studien zur japanforschung Nr. 9.
München:
(1992)
ifo studien zur japanforschung Nr. 5.
München:
(1990)
[Mit: Ernst, Angelika] ifo studien zur japanforschung Nr. 4.
München:

Herausgeberschaft

Artikel

Sonstige Publikationen

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